Naturverträglichkeit von Mais

 

Autor: Dr. Hans Maurer, 8001 Zürich

Stand: Anfang 2002

 

 

Inhalt

 

1.            Ausgangslage. 1

1.1      Maisanbau in der Schweiz. 1

1.2      Bedeutung des Maisanbaus für die Biodiversität 3

1.3      Anbautechnik (Prinzip) 3

1.4      Exkurs 1: Untersaaten und Maiswiese. 4

1.5      Exkurs 2: genmanipulierter Mais und Artenschutz. 5

2.            Naturfreundlichere Gestaltung des prinzipiell naturschädlichen Maisanbaus  6

3.            Tatsächliche Produktionsweise. 7

3.1      Konventionelle Produktion. 8

3.2      Biologische Produktion. 9

3.3      Resultate aus Felduntersuchungen. 10

3.4      Verbesserungsmöglichkeiten, Forderungen von Konsum & Natur 10

4.            Fazit 10

5.            Einflussmöglichkeiten naturbewusster KonsumentInnen.. 11

6.            Empfehlungen von Konsum & Natur. 12

7.            Gesundheitliche Aspekte. 12

 

 

1.    Ausgangslage

Die vorliegende Studie ergänzt die Studie zum Thema "Getreide". Da auf Wiederholungen nach Möglichkeit verzichtet wurde, rät Konsum & Natur, auch den Beitrag zum Thema "Getreide" zu lesen.

 

 

1.1      Maisanbau in der Schweiz

Die Maispflanze stammt aus dem nördlichen Südamerika. Obwohl schon Kolumbus im Jahre 1493 Mais nach Europa brachte, beschränkte sich der Maisanbau in der Schweiz noch im Jahre 1960 auf 3'600 Hektaren [1] . Danach stieg die Maisanbaufläche rapide an. Im Jahre 2000 betrug diese [2] :

 

 

Mais

 

Anbaufläche 2000

(in ha)

Anteil an der gesamten offenen Ackerfläche
(= 292'548 ha)

Körnermais[3]

22'006

7.5%

Silo- und Grünmais[4]

40'486

13.8%

total

62'492

21.3%

 

Mais belegt nach Weizen[5] den zweiten Platz beim Anbauumfang der Kulturpflanzen und nimmt rund 21% der gesamten Ackerfläche ein. Die Hauptanbaugebiete umfassen das Schweizer Mittelland und die Waadtländer Agrarflächen bis zum Genfer See.

 

Die gesamte Maisproduktion der Schweiz wird an Nutztiere verfüttert. Die durch Menschen verzehrten Maiserzeugnisse wie Polenta, Zuckermais, Maisbrot usw. stammen alle aus dem Ausland und von anderen als den in der Schweiz gebräuchlichen Maissorten. Bei dieser Ausgangslage kann man sich die Frage stellen, weshalb Konsum & Natur dem Thema "Mais" überhaupt eine eigene Studie widmet. Der Grund liegt darin, dass der Konsum von Fleisch, insbesondere Schweinefleisch, Geflügel und Rindfleisch, indirekt den Maisanbau (zur Zeit 21% der schweizerischen Ackerfläche) fördert, weil diese Nutztiere mit Mais gemästet werden (vg. dazu Link Fleisch).

 

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass die gesamte Produktionsfläche für Futtergetreide (Mais, Gerste, Hafer, Triticale) 123'897 ha (= 41.4% der Ackerfläche) beansprucht (vgl. Link Getreide). Zusätzlich werden noch rund 1/3 des Brotgetreides an Tiere verfüttert [6] , weshalb die effektive schweizerische Ackerfläche für Getreide-Tierfutter rund 155'000 ha (= 53%) beträgt. Die insgesamt für die Tierfutterproduktion eingesetzte Ackerfläche liegt allerdings noch höher, weil weitere Produkte wie Rüben und Kartoffeln in der Tiermast enden. Dass der überwiegende Teil unseres Ackerlandes der Produktion von Tierfutter unterworfen wird, ist eine Folge der real existierenden Nachfrage nach Fleisch und tierischen Lebensmitteln. Wieviel tierische Lebensmittel jemand konsumiert, ist in keiner Weise vorbestimmt oder naturgegeben, sondern eine Frage der Kultur, persönlichen Vorliebe und finanziellen Lage sowie bei wenigen Menschen ein bewusster Entscheid, der auf ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Überlegungen basiert. Konsum & Natur vertieft das Thema "Fleisch" in einer separaten Studie (vgl. Link Fleisch).

 

 

 

 

1.2      Bedeutung des Maisanbaus für die Biodiversität

Weil der Maisanbau in der Schweiz rund 21% der Ackerflächen einnimmt, käme einer naturfreundlichen Maisproduktion grundsätzlich eine sehr hohe Bedeutung für die Biodiversität   zu. Tatsächlich sind Maisfelder für wildlebende Tier- und Pflanzenarten jedoch nur sehr beschränkt von Nutzen. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Maispflanzen im Jugendstadium (2 - 8-Blattstadium) sehr empfindlich sind auf Unkraut- bzw. Wildpflanzenkonkurrenz [7] , weshalb die Landwirte den Boden während dieser Zeit möglichst unkrautfrei halten (Herbzide im konventionellen, mechanische Bekämpfung im biologischen Landbau). Danach wächst der Mais den Wildpflanzen aber rasch davon und verdrängt diese. Die Folge ist, dass im Maisfeld kaum Wildpflanzen gedeihen [8] . Ohne Wildpflanzen finden jedoch weder Insekten noch die von ihnen abhängigen Kleinsäuger und Vögel Nahrung. Zum anderen konnten sich in den wenigen Jahrzehnten mitteleuropäischen Maisbooms nur vereinzelte Tier- und Pflanzenarten die Maisäcker als Lebensraum erschliessen. Das wohl bekannteste Beispiel betrifft das Wildschwein, welches sich in den letzten Jahren unter anderem dank dem reichhaltigen Futter in den Maisäckern stark zu verbreiten vermochte. Für die grosse Zahl der Tier- und Pflanzenarten, namentlich für die gefährdeten und seltenen Arten (dazu Link Naturverträglichkeit verschiedener Landbaumethoden) stellen Maisäcker jedoch Feindesland dar, in dem kein Auskommen möglich ist. So sind etwa durch die Umstellung vom Feldfutterbau (Klee, Luzerne, Gras) auf Maisanbau die Nahrungsflächen für den Rotmilan und die Schleiereule schlagartig verloren gegangen.

 

Etwas besser ist die Situation beim Maisanbau mit Untersaaten und in Maiswiesen (vgl. unten Kap. 1.4).

 

 

1.3      Anbautechnik (Prinzip)

Mais kann in unseren Breitengraden nur im Frühling (Mai) - und nicht wie andere Getreidearten im Herbst - angesäht werden, weil die Maispflanzen kälteempfindlich sind[9].

 

Die Vorbereitung des Feldes besteht im Umbruch des Bodens mit dem Pflug und der Zerkleinerung der Erdschollen mit der Egge. Das Pflügen bezweckt hauptsächlich, die auf dem Feld wachsenden "Unkräuter" (Wildkräuter, Ackerbegleitflora) in tiefere Humusschichten zu befördern, damit sie die keimenden Maispflänzchen nicht im Wachstum behindern. Da Mais im Jugendstadium empfindlich ist gegen Unkräuter, wird das Feld meist mit einem Vorauflauf-Herbizid behandelt. Maisanbau ist in Mitteleuropa nicht standortgerecht, da seine Vegetationsperiode für diese Region zu lang ist. Um die Maispflanzen während der verfügbaren Zeit trotzdem in den erntereifen Zustand zu treiben, ist ein hoher Düngeaufwand erforderlich.

 

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bestehen die primären Herausforderungen im Maisbau darin, die Unkräuter und den Maiszünsler unter Kontrolle zu bringen. In gewissen Regionen treten zudem wurzelfressende Drahtwürmer und Fritfligen auf oder Rabenkrähen, welche sich über die Maissaat hermachen[10]. Von mittlerer bis geringer Bedeutung sind Schäden, die auf Pilzbefall zurückgehen.

 

 

1.4      Exkurs 1: Untersaaten und Maiswiese

Im traditionellen Maisbau hält der Landwirt den Boden um die Maispflanzen mit Herbiziden unkrautfrei. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe von Problemen, nämlich:

 

-     Der nackte Boden bietet Tieren und Pflanzen kaum Lebensraum.

-     Der Boden wird nicht von Wildpflanzenwurzeln festgehalten und bei Regen weggeschwemmt (Erosion).

-    Dünger wird nicht von Wildpflanzen gebunden und ins Grundwasser sowie die Oberflächengewässer ausgewaschen.

-     Herbizide belasten die Umwelt.

-     Zudem entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche herbizidresistente Wildpflanzen.

 

Mais eignet sich wegen der vergleichsweise langsamen Jugendentwicklung, den weiten Reihendistanzen und der Wuchshöhe besonders gut für die Anlage von Untersaaten[11]. Seit den 80er Jahren untersuchen verschiedene landwirtschaftliche Forschungsstellen im In- und Ausland den Anbau von Mais auf gezielt begrünten Flächen. Dabei haben sich zwei Methoden herausgebildet[12]:

 

-     Maisanbau mit Untersaat

-     Bandfrässaat in grüne, d.h. bereits bestehende Pflanzenbestände ohne vorgängiges Pflügen und Eggen (sog. Maiswiese)

 

Diese beiden Anbaumethoden wirken den vorgenannten Missständen im Maisanbau teilweise entgegen.

 

Untersaaten im Maisanbau mindern die Erosion, erleichtern den Einsatz von Maschinen und verwerten nach der Ernte überschüssigen Stickstoff[13]. Zudem sinkt die Menge verwendeter Herbizide. Für die Artenvielfalt haben Untersaaten indes nur geringe Bedeutung, denn für die Einsaaten eignen sich nur wenige anspruchslose Gras- und Kleearten, welche Insekten und andere Tierarten nur beschränkt fördern. Einzig die Anzahl der Insekten-Individuen steigt etwas an[14].

 

Maiswiesen eignen sich zur Minderung von Erosion und Düngerauswaschung[15], namentlich auch schon während der Vegetationszeit der Maispflanzen.  Die Menge der verwendeten Herbizide ist um 30% geringer[16]. Gegenüber dem konventionellen Maisanbau und dem Anbau mit Untersaaten leben in Maiswiesen rund doppelt so viele Individuen von Kurzflüglern, Spinnen und Ameisen sowie rund 20% mehr Laufkäfer[17]. Die Artenvielfalt wurde in der zitierten Studie leider nur bei den Laufkäfern untersucht, mit praktisch gleichem Resultat wie im konventionellen Maisanbau (19 Arten). Da in Maiswiesen - wie Untersaaten - nur wenige anspruchslose Gras- und Kleearten wachsen, ist keine erhebliche Förderung der Artenvielfalt zu erwarten. Nach der Einschätzung von Konsum & Natur liegt der ökologische Wert von Maiswiesen etwas unter jenem von intensiv bewirtschaftetem Grünland.

 

Im biologischen Landbau stellen Maiswiesen derzeit noch keine taugliche Anbaumethode dar, weil die Wildpflanzen nicht wie im konventionellen Anbau mit Herbiziden reguliert werden dürfen und sich deshalb oft unerwünschte Arten ausbreiten. Die biologische Landbauforschung widmet indessen den Maiswiesen einen ihrer Schwerpunkte, weil Mais als geeignete Fruchtfolgepflanze gilt.

 

 

1.5      Exkurs 2: genmanipulierter Mais und Artenschutz

Im Ausland, namentlich in den USA, in Kanada und Argentinien, ist der Anbau von genmanipuliertem Mais weit verbreitet (Anbaufläche 2000 über 9 Mio. ha, entspricht der 30fachen Ackerfläche der Schweiz). In Europa wurden im Jahre 2000 bereits in Spanien (18'000 ha) und Bulgarien (15'000 ha) grössere Flächen mit gentechnisch verändertem Mais bepflanzt [18] . In der Schweiz versucht die Agrarindustrie (Saatguthersteller und Pestizidfabrikanten) den Anbau von genmanipulierten Mais ebenfalls durchzusetzen [19] .  

 

Die derzeit aktuellen Genmanipulationen im Mais betreffen zwei Eigenschaften, die für die Natur beide eine hohe Gefährdung bedeuten: Zum einen ist dies der sog. BT-Mais, in den die Forscher ein Gen des Bacillus thuringiensis eingebaut haben. Dieses Gen produziert eine Substanz, die für den Maiszünsler (ein Falter, der zur Zeit als Hauptschädling der Maiskulturen gilt) tödlich ist. Allerdings belegen verschiedene Untersuchungen, dass Insekten, welche Maiszünsler aus BT-Maisflächen fressen, ebenfalls geschädigt werden[20]. Eines der Hauptargumente der Agrarindustrie für BT-Mais ist die Einsparung von Insektiziden gegen den Maiszünsler. In der Schweiz ist dieses Argument jedoch untauglich, weil der Maiszünsler ausschliesslich mit Trichogramma-Schlupfwespen bekämpft wird.

 

Zum anderen haben Agrochemiefirmen Gene in Mais eingeschleust, die ihn resistent gegen die von ihnen produzierten Totalherbizide machen[21]. Dadurch ist es möglich, während der Vegetationszeit des Maises noch die letzten Wildpflanzen, die im Maisfeld wachsen, zu vernichten.

 

Abgesehen davon besteht die Gefahr, dass beim Anbau von genmanipuliertem Mais der traditionelle Mais in der Umgebung der Genmaisfelder mit transgenen Pollen befruchtet wird[22].

 

 

 

2.    Naturfreundlichere Gestaltung des prinzipiell naturschädlichen Maisanbaus

Maisanbau ist grundsätzlich naturunverträglich (vgl. Kap. 1.2), je nach Anbaumethode resultiert indessen eine etwas unterschiedliche Belastung des Ökosystems. Um die real existierenden Verhältnisse einer ökologischen Beurteilung zu unterziehen, ist es zunächst nötig, die Anforderungen für einen möglichst naturverträglichen Maisanbau zu ermitteln. Ein solcher zeichnet sich durch die folgenden sechs Merkmale aus:

 

1.   Keine Verwendung von Pestiziden, insbesondere keine Herbizide und Insektizide:

 

Vgl. zur Begründung dieser Massnahme: Link Getreide, Kap. 2

 

Im Maisbau ist leider nach wie vor das Bodenherbizid "Atrazin" zugelassen[23]. Dieser Wirkstoff ist nicht nur schwer abbaubar, sondern wird auch leicht in Oberflächengewässer und das Grundwasser ausgewaschen. Falls Herbizide eingesetzt werden, sollte wenigstens auf Atrazin verzichtet werden. Überfällig ist jedoch ein Verbot.

 

Ein Teil der im Maisbau zulässigen Fungizide, namentlich die Wirkstoffe Carbofuran, Furathiocarb und Terbufos, töten Regenwürmer[24]. Da Regenwürmer nicht nur Nahrung für Kleinsäuger und Vögel sind, sondern auch die Bodenfruchtbarkeit erhalten, sollte auch auf Fungizide verzichtet werden. Im Vergleich zu Herbiziden und Insektiziden ist die Schadwirkung der Fungizide auf die Natur jedoch gering.

 

 

2.   Sparsamer (und jahreszeitlich richtiger) Einsatz von Dünger:

 

Vgl. zur Begründung dieser Massnahme: Link Getreide, Kap. 2

 

      Maisanbau ist in Mitteleuropa nicht standortgerecht, da seine Vegetationsperiode für diese Region zu lang ist. Um die Maispflanzen während der verfügbaren Zeit trotzdem in den erntereifen Zustand zu treiben, ist ein hoher Düngeaufwand erforderlich. Eine sparsame und  Düngung ist beim Maisanbau besonders wichtig, da durch die geringe Bodenbedeckung (grosse Pflanzabstände, wenig Wildkräuter) besonders leicht eine Auswaschung der Düngstoffe in das Grundwasser oder in Oberflächengewässer stattfinden kann. Die Auswaschung kann mit einer Maiswiese verringert werden (nachstehend).

 

3.   Anlegen einer Maiswiese:

 

Das Anlegen einer Maiswiese wirkt sich positiv auf den Boden (Vermeidung der Erosion), den Rückhalt von Dünger und die Anzahl Insekten aus, hat jedoch für die Artenvielfalt nur geringe Bedeutung (vorne Kap. 1.4).

           

4.   Massvolles Eindämmen der Ackerbegleitflora (Herbizideinsatz, mechanische Bekämpfung):

 

      Da die Maispflanzen im Jugendstadium anfällig auf Unkrautkonkurrenz sind und in einem späteren Stadium die Wildpflanzen verdrängen, ist diese Massnahme nur begrenzt realisierbar bzw. wirksam.

 

5.   Nach der Ernte das Feld möglichst noch einige Wochen brach (d.h. unbearbeitet) liegen lassen bzw. das Pflügen auf Frühling verschieben, damit die Ackerbegleitflora reife Samen bilden kann.

 

Vgl. zur Begründung dieser Massnahme: Link Getreide, Kap. 2

 

Da die Ernte von Mais spät im Jahr erfolgt (ab Mitte September für Silomais bzw. Oktober für Körnermais) ist diese Massnahme nur begrenzt wirksam. Abgesehen davon ist das Verschieben des Pflügens auf den Frühling risikobehaftet, weil der Boden nicht zu feucht sein darf und im Frühling oft viel Regen fällt.

 

6.   Auf einem Teil des Maisfeldes Anlage einer mindestens 3 Meter breiten Buntbrache oder Rotationsbrache:

 

Buntbrachen und Rotationsbrachen dienen als Ersatzlebensräume für Tiere und Pflanzen. Der Ertragsausfall wird durch Ökobeiträge weitgehend kompensiert: jährliche Beiträge von CHF 3000.-/ha für Buntbrache bzw. CHF 2500.-/ha für Rotationsbrache[25]. Die Bracheflächen dürfen nicht zu dicht gesät werden; in der Regel genügt die Hälfte der vom Saatgutverkäufer empfohlenen Menge.

 

7.   Kein Mähen der Wiesenstreifen entlang von Wegen ab Mitte April:

 

Von Gesetzes wegen müssen entlang von Wegen Wiesenstreifen von 0.5 Metern Breite belassen bzw. angelegt werden[26]. Diese sollten ab Mitte April bis zur Ernte nicht gemäht werden, um darin brütende Vögel nicht zu schädigen.

 

 

 

3.    Tatsächliche Produktionsweise

Für Mais gibt es kein Programm von IP-Suisse. Die folgenden Ausführungen behandeln deshalb nur die beiden Produktionsformen des konventionellen und des biologischen Landbaus (vgl. zum Ganzen auch Link Naturverträglichkeit verschiedener Landbaumethoden).

 

 

3.1      Konventionelle Produktion

Bei der konventionellen Maisproduktion hat der Bauer die Anforderungen des in der Direktzahlungsverordnung (DZV)[27] festgelegten Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) einzuhalten[28]. Unter dem Aspekt einer naturfreundlicheren Gestaltung des Maisanbaus sind die Produktionsvorgaben des ÖLN wie folgt zu beurteilen:

 


Kennzeichen einer  naturfreundlicheren Gestaltung des Maisanbaus[29]

konventionelle Produktion

Bewertung des Einflusses auf die Natur

negativ - neutral - positiv

keine Herbizide

Herbizide zulässig

negativ

keine Insektizide

Insektizide nur mit Sonderbewilligung des kantonalen Landwirtschaftsamtes statthaft.

Anstelle von Insektiziden werden auch im konventionellen Anbau gegen Maiszünslerbefall Schlupfwespen eingesetzt.

(weitgehend) positiv

keine Beizmittel

Beizmittel zulässig

negativ

keine Fungizide

Fungizide zulässig

negativ bis neutral

sparsamer Düngereinsatz

hoher Düngereinsatz (im Vergleich zu biologischer Produktion). Da Düngermenge 10% über ausgeglichener Düngerbilanz liegen darf[30]: Belastung von Oberflächengewässern und Grundwasser

negativ

Anbau auf Maiswiese

erfüllbar, in Praxis jedoch bislang selten

neutral

massvolles Eindämmen der Ackerbegleitpflanzen

nicht erfüllt, die Felder werden weitgehend von Wildpflanzen frei gehalten

negativ

nach der Ernte einige Wochen Brache

beschränkt erfüllbar. Da die Ackerbegleitflora weitgehend durch Herbizide vernichtet wird und die nach der Ernte verbleibende Vegetationszeit kurz ist, ist der Nutzen einer Brachezeit klein.

neutral

Anlegen einer Buntbrache oder Rotationsbrache

erfüllbar, bislang wurden solche Brachen jedoch nur selten angelegt

negativ (positiv, falls Brachen realisiert)

kein Mähen der Wiesenstreifen entlang der Feld-
wege ab Mitte April

erfüllt bzw. erfüllbar

neutral bis positiv

Gesamtbeurteilung

negativ

 

 

3.2      Biologische Produktion

Die biologische Produktion richtet sich einerseits nach den einschlägigen Vorschriften des Bundes [31] , anderseits nach den Vorgaben der jeweiligen Produzenten- oder Abnehmerorganisation, in die der Landwirt vertraglich eingebunden ist (dazu Link Naturverträglichkeit verschiedener Landbaumethoden). Die Produktionsvorgaben gehen erheblich über die Anforderungen des ÖLN hinaus und sind unter dem Aspekt einer naturfreundlicheren Gestaltung des Maisanbaus wie folgt zu beurteilen:

 

Kennzeichen eines  naturfreundlichen Getreidebaus[32]

Biologische Produktion

Bewertung des Einflusses auf die Natur

negativ - neutral - positiv

keine Herbizide

Herbizide verboten

positiv

keine Insektizide

Insektizide verboten

positiv

keine Beizmittel

Beizmittel verboten

positiv

keine Fungizide

Fungizide verboten

neutral bis positiv[33]

sparsamer Düngereinsatz

Düngermenge erheblich tiefer als bei  konventioneller und Integrierter Produktion[34], obwohl von Gesetzes wegen bei "besten Bedingungen im Talgebiet" bis 2.5 DGVE erlaubt[35].  Keine synthetischen Dünger. Düngerplanung muss auf Boden- oder Pflanzenanalysen basieren[36]. Da Düngerbilanz ausgeglichen: keine Belastung der Oberflächengewässer.

neutral bis positiv

Anbau auf Maiswiese

Maiswiese noch nicht realisierbar im Biolandbau (vgl. Kap. 1.4)

 negativ

massvolles Eindämmen der Ackerbegleitpflanzen

nicht erfüllt. Die Felder werden von Wildpflanzen weitgehend frei gehalten.

negativ

nach der Ernte einige Wochen Brache

in der Regel erfüllt bzw. erfüllbar. Da die Ackerbegleitflora während der Kulturzeit überwiegend eliminiert bzw. zu stark beschattet wird und die nach der Ernte verbleibende Vegetationszeit kurz ist, ist der Nutzen einer Brachezeit klein.

neutral

Anlegen einer Buntbrache oder Rotationsbrache

erfüllbar, bislang wurden solche Brachen jedoch nur selten angelegt

negativ (positiv, falls Brachen realisiert)

kein Mähen der Wiesenstreifen entlang der Feld-
wege ab Mitte April

erfüllt bzw. erfüllbar

neutral bis positiv

Gesamtbeurteilung

neutral

 

 

3.3      Resultate aus Felduntersuchungen

Über die Artenvielfalt in Maisanbauflächen sind dem Autor dieser Studie keine aussagekräftigen Felduntersuchungen bekannt. Nach seiner eigenen Erkenntnis aus (statistisch nicht relevanten) Feldbegehungen ist diese im Vergleich zu anderen Ackerkulturen klein.

 

 

3.4      Verbesserungsmöglichkeiten, Forderungen von Konsum & Natur

Sowohl der konventionelle als auch biologische Maisanbau lässt sich erheblich verbessern, wenn die Landwirte auf Teilflächen Buntbrachen und/oder Rotationsbrachen anlegen. Wie bereits erwähnt, gilt ihnen der Bund diese Naturschutzleistung mit ökologischen Direktzahlungen ab.

 

Zur Verbesserung der Naturverträglichkeit der Landwirtschaft fordert Konsum & Natur vom Gesetzgeber, dass auf jedem Betrieb 7% der offenen Ackerfläche mit Buntbrachen und/oder Rotationsbrachen bepflanzt werden. Die Forderung ist namentlich dadurch begründet, dass viele seltene und gefährdete Arten nur in einer grossflächig extensivierten Agrarlandschaft überleben können.

 

 

4.    Fazit

Keine der Maisanbaumethoden dient der Erhaltung der Biodiversität. Die konventionelle Produktion wirkt dieser vielmehr entgegen. Für die (von vorne herein beschränkte) Naturverträglichkeit verschiedener Maisanbaumethoden ergibt sich die folgende Rangordnung:

 

biologische Produktion > konventionelle Produktion

 

(> = besser als)

 

 

5.    Einflussmöglichkeiten naturbewusster KonsumentInnen

Naturbewusster Konsum zielt darauf ab, die Maisanbauflächen in der Schweiz möglichst klein zu halten, weil diese naturfeindliche Agrarwüsten darstellen. Da praktisch die gesamte Maisproduktion für die Tiermast (Schweine, Geflügel, Rinder) und Erzeugung von Kuhmilch verwendet wird, kann dieses Ziel konsequent nur mit einer Reduktion der Nahrungsmittel tierischer Herkunft erreicht werden. Nur (aber immerhin) teilweise wirksam ist die Bevorzugung von tierischen Nahrungsmitteln, deren Erzeugung auf einem möglichst geringen Maisfutteranteil basiert. Der (Mais-)Kraftfuttereinsatz bei den verschiedenen Nutztierarten ist wie folgt:

 

Schweinefleisch, Geflügel > Rindfleisch > Kuhmilch, Kalbfleisch > Schaf- und

Ziegenfleisch sowie -milch
(kein Kraftfuttereinsatz)

 

(> = grösser als)

 

In die Schweiz gelangen mittlerweile grössere Mengen von Rindfleisch aus Nord- und Südamerika. Ein Wechsel auf dieses Fleisch ist in keiner Weise eine Alternative. In Nordamerika werden die Rinder in der Regel ebenfalls mit einem hohen (Mais-)Kraftfutteranteil gemästet. Zudem werden ihnen Wachstumshormone gespritzt, die teilweise im Fleisch verbleiben und ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Stammt das Fleisch hingegen aus Südamerika, so ist zu dessen Produktion möglicherweise Urwald gerodet worden. Jedenfalls aber fördert die Nachfrage nach solchem Fleisch künftige Urwaldrodungen.

 

Anders verhält es sich, wenn Konsumentinnen Polenta, Zuckermais, Maisbrot usw. essen, also ein "direkter" Maiskonsum erfolgt (praktisch aller Mais für die menschliche Ernährung wird importiert). Da für die Erzeugung einer Kalorie tierischer Lebensmittel rund das 4-fache an pflanzlichen Tierfutterkalorien aufgewendet werden müssen[37], beansprucht der direkte Konsum von Mais lediglich 25% der Ackerfläche, welche für die Produktion tierischer Lebensmittel nötig ist. Die Hebelwirkung bei der Reduktion des Fleischkonsumes ist also markant stärker, als bei einem allfälligen Verzicht auf den direkten Maiskonsum.

 

Keinen Einfluss können die KonsumentInnen mit ihrem Kaufverhalten darauf nehmen, ob der Landwirt auf seinen Ackerflächen Ersatzlebensräume (Buntbrachen, Rotationsbrachen, Kleinstrukturen usw.) schafft. Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, indem der Gesetzgeber den Landwirten entsprechende Anweisungen gibt. Daraus erhellt, dass naturbewusster Konsum nicht nur eine gezielte Auswahl von Produkten umfasst, sondern mit einem (naturschutz-)politisches Engagement ergänzt werden sollte, so z.B. in einer Naturschutzorganisation, welche sich gegenüber dem Staat für die entsprechenden Anliegen einsetzt (vgl. dazu auch Link "Was Sie tun können").

 

 

6.    Empfehlungen von Konsum & Natur

Zur Reduktion der naturfeindlichen Maisanbauflächen empfiehlt Konsum & Natur:

 

-     weniger Fleisch und insbesondere kein Schweinefleisch zu essen. Falls Fleisch gegessen wird, Konsum folgender Fleischarten (in absteigender Priorität):

 

-     (biologisches) Weiderindfleisch, Schaf- und Ziegenfleisch

-     biologisches Rindfleisch

 

-     den Konsum von Kuhmilchprodukten zu verringern und biologisch produzierte Milchprodukte zu bevorzugen

 

-     den Fleischanteil in der Nahrung zu Gunsten von Bio-Getreide zu erniedrigen

 

-     statt Fleisch zu essen, das mit Mais produziert wurde, den Mais direkt zu geniessen (Polenta, Zuckermais, Maisbrot usw.)

 

-     Restaurants mit biologischen Lebensmitteln zu bevorzugen

 

 

7.    Gesundheitliche Aspekte

Vgl. dazu Links Fleisch und Getreide

 



[1]          Basler Fachstelle für Biosicherheitsforschung und Abschätzung von Technikfolgen BATS, Konzept und praktische Lösungsansätze zur anbaubegleitenden Forschung beim Einsatz transgener Nutzpflanzen, Basel 1999, Kap. 6.1.1.

[2]          Datenbasis: Bundesamt für Landwirtschaft (Hrsg.), Agrarbericht 2001, Bern 2001, Anhang A4 (provisorische Ergebnisse für das Jahr 2000).

[3]          Körnermais wird zur Gewinnung von Maiskörnern angepflanzt. Beim Dreschvorgang werden die Körner vom Kolben separiert und gesammelt. Das Maisstroh wird vom Mähdrescher gehäckselt, dann ausgespuckt und verbleibt auf dem Acker..

[4]          Silo- und Grünmais hingegen erntet man im halbreifen Zustand. Dabei werden die ganzen Pflanzen gehäckselt und das Pflanzen-/Körner-Gemisch in einen Silo transportiert oder direkt an Tiere verfüttert. Im Silo findet eine Fermentation statt, die das Pflanzengut konserviert, so dass es im Winterhalbjahr verfüttert werden kann.

[5]          Anbaufläche von Weizen im Jahr 2000: 94'109 ha, entspricht 31% der gesamten Ackerfläche.

[6]          Agrarbericht 2001, Anhang A7.

[7]          FiBL, Merkblatt Mais, Frick 2002, S. 2.

[8]       Bisweilen häufig sind lediglich anspruchslose, teilweise aus Amerika und Asien eingeführte  Maisunkräuter wie Klebern, Melden-, Amarant- und Hirsearten.

[9]          Die Keimung setzt erst bei 10°C ein, die Optimaltemperatur beträgt 20-25°C (Quelle: FN 1).

[10]        FiBL, Merkblatt Mais, S. 3.

[11]        FiBL, Merkblatt Mais, S. 3.

[12]        Vgl. Ammon, Von der Unkrautbedeckung zur Regulation der Gründbedeckung im Mais, in: Landwirtschaft Schweiz Band 6 (11-12): 649-660, 1993.

[13]        FiBL, Merkblatt Mais, S. 3.

[14]        Bigler / Waldburger, Insekten und Spinnen als Nützlinge, in: AGRARFORSCHUNG 2 (9); 383 -386, 1995.

[15]        Ammon / Scherrer / Mayor, Unkrautentwicklung und Bodenbedeckung, in: AGRARFORSCHUNG 2 (9); 1995, S. 371.

[16]        Ammon, S. 656.

[17]        Bigler / Waldburger, S. 383 - 386.

[18]        www.transgen.de/Anwendung/Pflanzen/Zulassung/mais_flaechen.html.

[19]        Für den Import als Nahrungs- und Futtermittel ist genmanipulierter Mais (BT-Mais) seit 1998 zugelassen (Quelle: FN 1, Kap. 6.1.2).

[20]        www.bioweb.ch/de/dossiers/06/01 (eine Publikation von BATS, vgl. FN 1).

[21]        www.transgen.de/Anwendung/Pflanzen/Zulassung/mais_flaechen.html.

[22]        Maispollen fliegen bis 200 Meter weit (vgl. European Environment Agency, Genetically modified organisms (GMOs). The significance of gene flow through pollen transfer, Copenhagen 2002, zusammengefasst in: NZZ vom 28.3.2002, S. 15).

[23]        Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie Arenenberg TG / Zentralstelle für Pflanzenschutz LIB-Strickhof ZH, Pflanzenschutzmittel 2001 im Feldbau 2001, Separatdruck aus "Thurgauer Bauer" vom 9.2 2001, S. 50 ff.

[24]        ebenda, S. 11.

[25]        Art. 53 Direktzahlungsverordnung.

[26]        Anhang Ziff. 3 Direktzahlungsverordnung vom 7. Dezember 1998 (SR 910.13).

[27]        Direktzahlungsverordnung vom 7. Dezember 1998 (SR 910.13).

[28]        Die Anforderungen des ÖLN sind näher ausgeführt in den Richtlinien für den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN), Juli 2001 (Hrsg. Kt. ZH, anerkannt vom Bundesamt für Landwirtschaft am 19. Juli 2001). Die Einhaltung der Anforderungen des ÖLN ist Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen. 95% der Landwirtschaftlichen Nutzflächen werden nach den Anforderungen des ÖLN bewirtschaftet (Mitteilung vom 23.11.2001 von Hr. Meerstetter, Landwirtschaftliche Beratungszentrale Lindau LBL).

[29]        Vgl. oben Kap. 2.

[30]        Gemäss Anhang Ziff. 2.1 DZV. Zudem bleibt in der Berechnung der Nährstoffbilanz der Eintrag von Stickstoff aus der Luft (Luftverschmutzung) und die Stickstoffbindung der Bodenbakterien unberücksichtigt.

[31]        Verordnung vom 22. September 1997 über die biologische Landwirtschaft und die entsprechende Kennzeichnung der pflanzlichen Erzeugnisse und Lebensmittel (SR 910.18, Bio-Verordnung); Verordnung vom 22. September 1997 des EVD über die biologische Landwirtschaft (SR 910.181).

[32]        Vgl. oben Kap. 2.

[33]        Da Fungizide für die Biodiversität lediglich von geringer Bedeutung sind, ist der positive Effekt des Verbotes auf die Natur relativ klein.

[34]        Nach dem sog. DOK-Versuch, dessen Ergebnisse als Richtgrösse gelten können, ist der Nährstoffeinsatz in biologischen Kulturen erheblich geringer als in der konventionellen Landwirtschaft (mineralischer Stickstoff minus 65%; Phosphor minus 40%; Kalium minus 45%): FiBL Dossier Nr. 1, Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt, Erkenntnisse aus 21 Jahren DOK-Versuch, Frick August 2000, S. 5.

[35]        Art. 12 Abs. 4 Bio-Verordnung.

[36]        Art. 12 Abs. 3 Bio-Verordnung.

[37]        Vgl. dazu Rudolf H. Strahm, Warum sie so arm sind, Wuppertal 1985, S. 66.