Naturverträglichkeit von Landbaumethoden - biologische, konventionelle und Integrierte Produktion im Vergleich

 

Autor: Dr. Hans Maurer, 8001 Zürich

Stand: Anfang 2002

 

 

Inhalt

 

1.. Einleitung.. 2

2. Historische Entwicklung und Übersicht über die heutigen Bewirtschaftungsformen.. 3

2.1 Entwicklung der Produktionsformen und Einfluss auf die Natur  3

2.2 Biologische Landwirtschaft 4

2.3 Landwirtschaftliche Produktion nach Anforderungen ÖLN (konventionelle Produktion) und Integrierte Produktion.. 5

2.3.1                Konventionelle Produktion   5

2.3.2                Integrierte Produktion   5

2.4 Verbreitung der Produktionsarten, Erkennungsmerkmale für KonsumentInnen   6

3. Beurteilung der Naturverträglichkeit 7

3.1 Biologische Landwirtschaft 7

3.1.1                 Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien von Produzentenorganisationen   7

3.1.2                 Wirkungen der biologischen Landwirtschaft auf die Natur  7

3.2 Konventionelle Landwirtschaft 10

3.2.1                 Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien   10

3.2.2                 Wirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Natur  10

3.3 Integrierte Produktion.. 13

3.3.1                Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien von Produzentenorganisationen   13

3.3.2                Wirkungen der Integrierten Produktion auf die Natur  14

3.4 Artenvielfalt in biologisch und konventionell bewirtschafteten Agrarflächen - Resultate aus Felduntersuchungen.. 14

4. Fazit 16

 

 


1.         Einleitung

Die Agrarfläche der Erde ist begrenzt, die Bevölkerung hoch. Pro Person stehen im weltweiten Durchschnitt nur gerade ¼ Hektar (= 2'500 Quadratmeter) Agrarland zur Verfügung [1] . Ausreichend Nahrung lässt sich auf dieser Fläche nur erzeugen, wenn der Anbau von Pflanzen und die Haltung von Nutztieren [2] gezielt erfolgt. Die Bewirtschaftung des Bodens wirkt sich unvermeidbar auf die Natur aus, weil sie die natürlichen Lebensbedingungen verändert. Im Einzelnen hängt die Wirkung auf die Tier- und Pflanzenwelt jedoch stark von der Art der Bewirtschaftung ab. In unseren Breitengraden können grundsätzlich zwei verschiedene Bewirtschaftungstypen unterschieden werden: Die biologische [3] und die konventionelle Landwirtschaft. Speziell in der Schweiz existiert noch eine weitere, mit der konventionellen Landwirtschaft verwandte Produktionsart: die Integrierte Produktion. Die vorliegende Studie geht der Frage nach, wie sich diese drei Landbaumethoden auf die Natur auswirken. Die Aussagen sind relevant für den Anbau in der Schweiz und tendenziell auchden übrigen Ländern.

 

Die Studie beschränkt sich auf die Auswirkungen der Bewirtschaftung von Produktionsflächen. Für die Ermittlung der Gesamtwirkung der Landwirtschaft auf die Natur müssten insbesondere in der Schweiz zusätzlich die sogenannten ökologischen Ausgleichsflächen[4] mit einbezogen werden. Da diese jedoch von Gesetzes  wegen bei allen Landbaumethoden gleich geregelt sind, können sie im folgenden ausser acht gelassen werden. Aus demselben Grund finden sich im folgenden auch keine Ausführungen zu den - sehr naturrelevanten - Meliorationen (Flurbereinigungen).

 

 

2.         Historische Entwicklung und Übersicht über die heutigen Bewirtschaftungsformen

2.1            Entwicklung der Produktionsformen und Einfluss auf die Natur

Noch vor hundert Jahren unterschied niemand zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft. Freilich bebauten auch damals nicht alle Bauern ihr Land gleich, sondern je nach ökonomischer Lage und persönlichen Fähigkeiten unterschiedlich. Da aber die technischen Möglichkeiten begrenzt waren, und namentlich keine chemisch-synthetischen Hilfsstoffe zur Verfügung standen, gediehen Fauna und Flora in der Agrarlandschaft - im Vergleich zu heute - prächtig[5]. Viele Tiere und Pflanzen profitierten von der früheren Landwirtschaft, weil ihnen diese Futter (z.B. Samen von Wildkräutern) oder geeignete Lebensräume (z.B. Magerwiesen) bot. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich zwischen der Landwirtschaft und vielen wildlebenden Pflanzen und Tieren eine echte Symbiose heraus, d.h. die Erhaltung einer Reihe von Arten und Ökosystemen war eng an die Weiterführung (traditioneller) landwirtschaftlicher Tätigkeiten geknüpft[6], und die Landwirtschaft war Nutzniesserin der biologischen Vielfalt[7].

 

Erst mit der Mechanisierung und Chemisierung der Landwirtschaft (sog. Industrialisierung), die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts einsetzte, verschlechterten sich die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere dramatisch. Dass das Artensterben in erster Linie eine Folge der modernen Landwirtschaft ist, steht ausser Zweifel[8]. In der Schweiz waren bereits schon Mitte der 90er Jahre[9]:

 

-     von ursprünglich 82 Säugetierarten: 3 ausgestorben, 27 gefährdet und 15 selten,

-     von ursprünglich 205 Brutvogelarten: 8 ausgestorben, 84 gefährdet und 23 selten,

-     von ursprünglich 15 Reptilienarten: 1 ausgestorben, 11 gefährdet und 1 selten,

-     von ursprünglich 20 Amphibienarten: 3 ausgestorben und 16 gefährdet,

-     von ursprünglich 54 Fischarten: 7 ausgestorben, 21 gefährdet und 14 selten,

-     von ursprünglich 2696 Farn- und Blütenpflanzen: 79 ausgestorben, 579 bedroht und 223 selten.

 

2.2            Biologische Landwirtschaft

Die wachsende Industrialisierung wurde schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht von allen Zeitgenossen als segensreiche Fahrt in die Zukunft wahrgenommen. Sie  gab vielmehr auch Anstoss zur Besinnung und allmählich wuchs ein Bewusstsein für alternative Landbaumethoden. Die erste erfolgreiche Bewegung für den Biolandbau entstand innerhalb der anthroposophischen Bewegung um Rudolf Steiner (1861-1925). Mit seinem Vortragskurs "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" setzte er an Pfingsten 1924 die gedankliche Basis für eine Gegenbewegung. Anthroposophische Praktiker entwickelten darauf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise.

 

In den 30er und 40er Jahren entwarfen das Ehepaar Maria und Hans Müller (1894-1965 bzw. 1891-1988) zusammen mit Hans Peter Rusch (1906-1977) die Grundlagen zur organisch-biologischen Landwirtschaft. Rusch und das Ehepaar Müller orientierten sich zwar an der biologisch-dynamischen Methode und setzten sich mit der Anthroposophie auseinander, distanzierten sich aber bewusst davon und prägten ab 1949 den Begriff "organisch-biologischer Landbau"[10]. Damit waren die Grundsteine für die beiden heute verbreiteten alternativen Landbaumethoden gelegt.

 

Der eigentliche Bioboom begann allerdings erst Anfang der 90er Jahre und wurde (in der Schweiz) namentlich durch drei Umstände gefördert: Erstens die offizielle Anerkennung des Biolandbaues durch den Gesetzgeber, zweitens die finanzielle Förderung der Biobauern vorab durch den Bund (Direktzahlungen)[11], drittens die gesteigerte Nachfrage durch die Bio-Programme der in der Schweiz dominanten Lebensmittelkonzerne Coop und Migros. Im Jahre 2001 wurden in der Schweiz rund 8% der Landwirtschaftsbetriebe (5'850 von total 70'500 Betrieben) mit 9% der landwirtschaftlichen Nutzfläche (rund 100'000 ha) biologisch bewirtschaftet[12]. Damit nimmt die Schweiz heute eine Spitzenstellung ein. Lediglich in Österreich (9%), Finnland (6%) und Dänemark (5%) liegt der Anteil Bio-Bauern in einer vergleichbaren Höhe. In Deutschland etwa beträgt der Anteil Bio-Betriebe nur 1,8%[13].

 

Die biologische Produktion erfolgt seit jeher unter dem Dach von Produzentenvereinigungen, von denen die wichtigsten Bio Suisse[14] und Demeter sind[15]. Zwecks Erkennbarkeit der Produkte haben diese sogenannte Label geschaffen (Bio Suisse: Knospen-Label; Demeter: Demeter-Label).  Will ein Landwirt seine Erzeugnisse unter einem bestimmten Label vertreiben, muss er die entsprechenden Label-Anforderungen einhalten (vgl. dazu hinten Kap. 3). Der Nahrungsmittelkonzern "Migros" hat ein eigenes Bio-Label geschaffen. Die Bio-Anbaurichtlinien von Migros sind indessen identisch mit jenen von Bio Suisse[16].

 

 

2.3            Landwirtschaftliche Produktion nach Anforderungen ÖLN (konventionelle Produktion) und Integrierte Produktion

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts nahm in der Schweiz die Kritik an der Landwirtschaft stark zu. Missfallen erregten vor allem die mangelhafte Umwelt- und Naturverträglichkeit sowie die exorbitant hohen Subventionen, welche letztlich die Steuerzahler zu tragen hatten[17]. Aus dieser Stimmung heraus entwickelte sich auch die industrialisierte Landwirtschaft etwas in die ökologische Richtung. Ende der 80er Jahre trat das Konzept des "integrierten Landbaus" zum erstenmal in Erscheinung. Daraus entstanden in der Schweiz bis heute zwei nahe verwandte Produktionsarten, nämlich die konventionelle und die Integrierte Produktion.

 

2.3.1    Konventionelle Produktion

Die konventionelle Produktion ist quasi die Standardlandwirtschaft des eidgenössischen Gesetzgebers. So definieren das Landwirtschaftsgesetz vom 29. April 1998 (SR 910.1) und die darauf abgestützte Direktzahlungsverordnung vom 7. Dezember 1998 (SR 910.13) als Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen, dass der Landwirt einen sog. Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) erbringen muss. Der ÖLN ist allerdings nur sehr beschränkt in der Lage, eine naturverträgliche Landwirtschaft zu etablieren (dazu nachfolgend Ziff. 3.2). Da praktisch alle Schweizer Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen beziehen und die meisten existentiell von diesen Zahlungen abhängig sind[18], gilt der ÖLN in der Schweiz mittlerweile als  ökologischer Mindeststandard in der Landwirtschaft. Aus diesem Grund ist es gerechtfertigt, die Landwirtschaft unter Einhaltung des ÖLN als konventionelle Produktion zu bezeichnen. Heute sind rund 50'000 Betriebe in der konventionellen Produktion tätig.

 

2.3.2            Integrierte Produktion

Im Laufe der 90er Jahre wurde das Konzept des integrierten Landbaues von Ende der 80er Jahre verfeinert und mündete in die eigenständige Produktionsrichtung der "Integrierten Produktion". Die Integrierte Produktion verlangt von den Landwirten über die Anforderungen des ÖLN hinausgehende, ökologisch motivierte Verhaltensweisen. Die "Integrierte Produktion" (IP) erfolgt - wie die biologische Produktion - unter dem Dach einer Produzentenvereinigung[19]. Insgesamt produzieren rund 12'000 Landwirte eines oder mehrere Produkte nach den Richtlinien von IP-Suisse.

 

Für die Abgrenzung (sprich: Vermarktung) der IP-Produkte von den konventionellen Erzeugnissen hat auch IP-Suisse ein Label geschaffen (Marienkäfer-Label). Bislang können jedoch nur eine beschränkte Anzahl Produkte unter diesem Label erzeugt werden, nämlich: Getreide, Kartoffeln, Raps, Mostobst, Fleisch, Geflügel, Milch. Will ein Landwirt seine Produkte unter dem IP-Label vertreiben, muss er die Bedingungen von IP-Suisse einhalten (dazu hinten Ziff. 5). Daneben hat Migros ein eigenes Programm für einzelne Produkte (M7) eingeführt, das mit den kulturspezifischen Anforderungen von IP-Suisse praktisch identisch ist. Nach dem Programm der Migros produzieren rund 4'000 Landwirte.

 

 

2.4             Verbreitung der Produktionsarten, Erkennungsmerkmale für KonsumentInnen

Die folgende Tabelle zeigt die Verbreitung der verschiedenen Produktionsarten in der Schweiz und weist auf die Erkennungsmerkmale der Produkte im Lebensmittelgeschäft oder auf dem Markt hin.

 


Produktionsart

Anzahl Betriebe

(total Betriebe in CH: 70'500[20])

bewirtschaftete Fläche (total 1'083'000 ha)

Erkennungsmerkmal für KonsumentInnen

 

biologische Produktion

ca. 6'000

100'000 ha

Bio-Label (Bio Suisse Knospe, Demeter-Label, Migros Bio-Label)

konventionelle Produktion (ÖLN)

ca. 49'000



983'000 ha

keine besondere Bezeichnung

Integrierte Produktion (IP)

ca. 12'000[21]

IP-Label (Marienkäfer)

Migros M7

ca. 4'000

Migros Label M7

 

Leider existieren heute in verschiedenen Produktbereichen wie Lebensmittel, Möbel, Teppiche, Papier, Elektrogeräte usw. so viele Labeltypen, dass die Übersicht für die KonsumentInnen schwierig ist. Eine gute Orientierung im schweizerischen "Label-Dschungel" (inkl. Abbildungen der verschiedenen Label) bietet die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch[22].

 

 

3.         Beurteilung der Naturverträglichkeit      

3.1            Biologische Landwirtschaft

3.1.1             Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien von Produzentenorganisationen

Die naturrelevanten Belange der biologischen Landwirtschaft werden insbesondere durch die folgenden Erlasse und Vorgaben geregelt:

 

-    Bundesgesetz vom 29. April 1998 über die Landwirtschaft (SR 910.1, Landwirtschaftsgesetz)

-    Verordnung vom 7. Dezember 1998 über die Direktzahlungen an die Landwirtschaft (SR 910.13, Direktzahlungsverordnung)

-    Verordnung vom 22. September 1997 über die biologische Landwirtschaft und die entsprechende Kennzeichnung der pflanzlichen Erzeugnisse und Lebensmittel (SR 910.18, Bio-Verordnung)

-    Verordnung vom 22. September 1997 des EVD über die biologische Landwirtschaft (SR 910.181)

-    Label-Anforderungen von Bio Suisse, Migros-Bio, Demeter [23]

 

Landwirte, welche Direktzahlungen für den Bio-Landbau beziehen, haben die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Die Label-Anforderungen hingegen müssten eigentlich nur jene Bauern einhalten, die ihre Produkte unter dem entsprechenden Label vermarkten. Da ein Vertrieb von Produkten ohne die verkaufsfördernde Wirkung eines Bio-Labels jedoch nicht lohnend ist, produzieren praktisch alle Bio-Bauern nach den Anforderungen eines Labels. Bio-Bauern müssen selbstverständlich auch die Anforderungen des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) erfüllen (nachfolgend Ziff. 3.2). Die Bio-Verordnung und die Label-Anforderungen gehen vielmehr weit darüber hinaus.

 

3.1.2             Wirkungen der biologischen Landwirtschaft auf die Natur

Der biologische Landbau ist durch die folgenden Prinzipien charakterisiert[24]:

 

-    Optimierung der Erträge (ganzheitliche Betrachtungsweise)

-    möglichst geschlossener Stoffkreislauf auf dem Betrieb

-    keine chemisch-synthetischen Pestizide

-    keine Kunstdünger (sprich: keine leicht löslichen Mineraldünger)

-    vielseitige Fruchtfolgen

-    schonende Bodenbearbeitung und langfristige Bodenpflege

-    artgerechte Tierhaltung (u.a. Ernährung der Nutztiere mit Futter aus biologischem Anbau)

-    gentechnikfreie Produktion

-    keine radioaktive Bestrahlung von Lebensmitteln

 

Im folgenden werden die für die Natur besonders relevanten Aspekte des biologischen Landbaus näher beleuchtet:

 

In der biologischen Landwirtschaft werden keine chemisch-synthetischen Hilfsstoffe eingesetzt (beschränkt zulässig sind jedoch natürliche Wirkstoffe, vgl. unten). Dies bewirkt, dass sich sogenannte Schädlinge (z.B. Apfelwickler, Kartoffelkäfer), Pilze (z.B. falscher Mehltau, Apfelschorf) oder Unkräuter (z.B. Quecke, Ackerkratzdistel) in den Kulturen leichter entwickeln können. Um die Schadwirkungen tief zu halten, muss der Biolandwirt (u.a.) möglichst resistente Sorten pflanzen, Nützlinge fördern, einen häufigen Fruchtwechsel betreiben sowie mehr Handarbeit leisten, um die Unkräuter resp. Wildpflanzen in Schach zu halten. Auch fleissige Biobauern erwischen jeweils nur einen Teil der unerwünschten Wildpflanzen. Dadurch weisen die biologisch bewirtschafteten Felder - gewollt oder ungewollt - eine höhere Pflanzendiversität sowie eine grössere Biomasse der Wildpflanzen auf als konventionell bewirtschaftete Flächen. Die neben der Hauptkultur wachsenden Wildpflanzen sind die Nahrungsbasis für eine Vielzahl von Insekten, Kleinsäugern und Vögeln. Dank der Abwesenheit von Insektiziden bilden biologisch bewirtschaftete Kulturen Lebensraum für ein grosses Artenspektrum und eine hohe Individuenzahl von Insekten. Da Insekten am Anfang der Nahrungskette stehen, sichert ihre Existenz die Ernährung der Tiere, die ihnen in der Nahrungskette folgen (Kleinnager, Fledermäuse, Fuchs, Dachs, Singvögel, Greifvögel etc.). In den letzten Jahrzehnten hat sich die Vielfalt und die Populationsgrösse von sehr vielen Insektenarten in der Schweiz und Europa enorm verringert. Damit ist auch die Nahrungsbasis der Tiere, welche einen hinteren Platz in der Nahrungskette belegen, verschmälert worden. Zwar wurden bislang kaum einschlägige Forschungsprojekte über den Zusammenhang des Insektenrückganges und dem Rückgang von insektenfressenden Arten (z.B. bestimmte Singvögel, Kleinnager) durchgeführt. Es liegt aber auf der Hand, dass ein solcher besteht. Ein sicheres Indiz dafür ist, dass in den letzten Jahrzehnten die Bestände von Vogelarten, welche Grossinsekten fressen, namentlich Wiedehopf[25], Steinkauz, Rotrückenwürger und Raubwürger, dramatisch zurück gegangen sind.

 

Die biologische Landwirtschaft verzichtet zudem auf Kunstdünger. Als Dünger verwendet der Biobauer in erster Linie den Stalldünger (Gülle, Mist), den seine eigenen Tiere produzieren. Daneben streut er in beschränktem Umfang mineralische und organische Handelsdünger auf seine Felder[26]. Infolge dieses bescheidenen Düngereinsatzes ist der Boden von biologisch bewirtschafteten Felder praktisch nie überdüngt, sondern weist im Gegenteil (aus der Sicht landwirtschaftlicher Maximalerträge) ein Düngermanko auf (insbesondere an Phosphor und Stickstoff)[27]. Weil der Biobauer nur beschränkt Dünger zur Verfügung hat, muss er diesen optimal auf seine verschiedenen Felder und Wiesen verteilen. Der tiefere Düngereinsatz in der biologischen Landwirtschaft wirkt sich in erster Linie zu Gunsten der Oberflächengewässer (Seen, Teiche, Bäche, Flüsse) und des Grundwassers aus. Namentlich die Oberflächengewässer sind leider auch heute an den meisten Orten ausserhalb der Hochgebirge überdüngt, was zur Folge hat, dass darin andere Pflanzen- und Tierarten leben als in nährstoffarmen Gewässern. So ist eine Vielzahl von Fischen, Insekten und Pflanzen, die sich nur in sauberem Wasser entwickeln können, heute gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

 

Weil der Biobauer seine Tiere ganz überwiegend mit dem Futter ernähren muss, das er auf seinen eigenen Feldern und Wiesen produziert, ist es unmöglich "Tierfabriken" mit Biovieh zu betreiben, d.h. Tiere in Hallen zu mästen und das Futter zuzukaufen. Auch dadurch ist der Düngerabfluss aus der biologischen Landwirtschaft in die Gewässer im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft klein.

 

Durch den geringeren Düngereinsatz in der biologischen Landwirtschaft sind auch die Grünflächen (Wiesen, Weiden) oft artenreicher, denn je stärker eine Fläche gedüngt ist, desto mehr setzen sich einige besonders nährstoffliebende Pflanzen gegenüber den anderen Pflanzen durch. Allerdings muss hier angefügt werden, dass die Artenvielfalt auf Grünflächen auch von anderen Faktoren als dem blossen Nahrungsangebot bestimmt ist, so insbesondere vom Standort (Bodenbeschaffenheit, Lage, Klimaregion), von der Bewirtschaftung (Anzahl und Zeitpunkt der Wiesenschnitte, Beweidung), vom vorhandenen Pflanzen- und Samenreservoir). In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der Gesetzgeber das Ausbringen von Dünger in der biologischen Landwirtschaft nicht genügend griffig beschränkt hat. So ist etwa im Talgebiet - immerhin nur "bei besten Bedingungen" - das Ausbringen eines Nährstoffäquivalents von 2.5 Düngergrossvieheinheiten (DGVE) zulässig (Art. 12 Abs. 4 Bio-Verordnung; dazu auch hinten Kap. 3.2.2). Für die Pflanzenvielfalt in Grünflächen wohl am wichtigsten ist in der Schweiz, ob diese ökologische Ausgleichsflächen im Sinne von Art. 44 ff. Direktzahlungsverordnung sind, weil dann die Düngung starken Einschränkungen unterliegt[28].

 

Positiv auf die Natur wirkt sich zudem aus, dass Bio-Landwirte ihren gesamten Hof biologisch bewirtschaften müssen (Art. 6 Bio-Verordnung). Es gilt das Prinzip "alles oder nichts". Von dieser Regel ausgenommen sind allerdings der Weinbau und ausdauernde Obstanlagen, welche konventionell bewirtschaftet werden dürfen, auch wenn der Hof im übrigen biologisch geführt wird (Art. 7 Bio-Verordnung).

 

Biologische Landwirtschaft wird in der Schweiz wie erwähnt (vorne Kap. 2.2) nach zwei unterschiedlichen Konzepten (biologisch-dynamische und organisch-biologische Landwirtschaft) betrieben. Für die Natur weist die biologisch-dynamische Produktion in gewissen Kulturbereichen geringe Vorteile auf. So bewegt sich insbesondere der  Nährstoffhaushalt der Ackerböden auf einem etwas tieferen Niveau als bei der organisch-biologischen Landwirtschaft. Zudem sind in der organisch-biologischen Landwirtschaft im Gegensatz zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft einige Pestizide mit natürlichen Wirkstoffen zugelassen[29]. Kritisch zu beurteilen sind hier namentlich das als Insektizid eingesetzte Azadirachtin (Extrakt des Neem-Baumes) sowie Rotenon (Extrakte der Tubawurzel und ähnlicher Pflanzen). Beide Wirkstoffe haben eine Breitbandgiftwirkung auf Insekten. Rotenon ist zudem ein starkes Fischgift. Immerhin werden sie auch in der organisch-biologischen Landwirtschaft nur selten und vorab in Spezialkulturen (z.B. Beerenkulturen, Tafelobstbau) verwendet, so dass die eingesetzte Menge im Vergleich zur Pestizidmenge, welche die konventionelle Landwirtschaft einsetzt, vernachlässigbar ist. Insgesamt unterscheiden sich die beiden biologischen Landwirtschaftsmethoden in ihrer Wirkung auf die Natur nur minim.

 

 

3.2            Konventionelle Landwirtschaft

3.2.1             Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien

Die Wirkung der konventionellen Landwirtschaft auf die Natur wird insbesondere durch die folgenden Erlasse und Richtlinien gesteuert:

 

-    Bundesgesetz vom 29. April 1998 über die Landwirtschaft (SR 910.1, Landwirtschaftsgesetz)

-    Verordnung vom 7. Dezember 1998 über die Direktzahlungen an die Landwirtschaft (SR 910.13, Direktzahlungsverordnung)

-    Richtlinien für den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN), Juli 2001 [30]

 

Zudem ist  die Einhaltung der Gewässerschutz- und Umweltschutzgesetzgebung "Voraussetzung und Auflage" für die Ausrichtung von Direktzahlungen (Art. 70 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz).

 

3.2.2             Wirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Natur

Die konventionelle Landwirtschaft ist durch die folgenden Kennzeichen charakterisiert[31]:

 

- weitgehend Maximierung der Erträge

- Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden

- Verwendung von Kunstdünger

- wenig Gewicht auf einer vielseitigen Fruchtfolge

- kaum schonende Bodenbearbeitung und keine langfristige Bodenpflege

- allzu oft keine artgerechte Tierhaltung ("Tierfabriken")

 

Der ÖLN vermag die vorstehenden Prinzipien nur beschränkt in eine nachhaltige, die Natur schützende Richtung zu lenken. Er statuiert namentlich für Pestizid- und Düngergaben lediglich eine Art Übermassverbot - freilich aus Sicht einer Intensiv-Landwirtschaft. Die für die Natur wohl wichtigste Regel des ÖLN ist in Art. 7 Direktzahlungsverordnung zu finden und schreibt den Landwirten einen "angemessenen Anteil an ökologischen Ausgleichsflächen" vor (vgl. dazu Kap. 1, insbesondere Fussnote 4). Insgesamt (konventionelle, Integrierte und biologische Produktion) werden heute rund 95% der Landwirtschaftlichen Nutzfläche nach den Anforderungen des ÖLN bewirtschaftet[32].

 

Die konventionelle Landwirtschaft wirkt sich in vielfältiger Weise negativ auf die Tier- und Pflanzenwelt aus. Im folgenden werden die für die Natur besonders abträglichen Auswirkungen dargestellt:

 

Durch den Einsatz von Pestiziden kann der Landwirt zwar Probleme mit sogenannten Schädlingen, Pflanzenkrankheiten, Unkräutern zum einen präventiv, zum anderen oft auch noch, wenn sie zum erstenmal auftreten, wirksam bekämpfen[33]. Die "Nebenwirkungen" auf die Natur sind jedoch gravierend. In der konventionellen Landwirtschaft werden durch den Einsatz von Insektiziden regelmässig nicht nur die Schadinsekten getötet, sondern auch zahlreiche andere Insektenarten, welche keinerlei Schadwirkung haben, sondern im Gegenteil für einen ausgewogenen Naturhaushalt dringend notwendig wären. Dasselbe gilt für die Ausbringung von Herbiziden, welche regelmässig auch viele andere Pflanzen wie z.B. das Eiblättrige Leinkraut oder das Ackerveilchen, welche den Kulturen keinen nennenswerten Schaden zufügen, vernichten. Ein hoher Teil dieser sogenannten Ackerbegleitflora ist heute selten geworden, zahlreiche Arten sind gefährdet oder bereits ausgerottet[34]. Dadurch ist in konventionell bewirtschafteten Feldern die Nahrungsbasis für Tiere, welche von Insekten und Pflanzen- bzw. Pflanzensamen leben, stark geschmälert. So ist (für Norddeutschland) etwa erstellt, dass an 102 typischen Pflanzen der Ackerbegleitflora 1'200 pflanzenfressende Tierarten leben[35]. Von einer Pflanzenart hängen 10 bis 20 Tierarten existenziell ab[36]. Werden diese Pflanzen abgetötet, finden die von ihnen lebenden Insekten, Vögel und Kleinsäuger keine Nahrung mehr.

 

Die seit dem 1. Januar 1999 rechtskräftige Direktzahlungsverordnung enthält verschiedene Vorschriften für die Auswahl und gezielte Anwendung von Pestiziden (vgl. Anhang Ziff. 6). Positiv zu würdigen ist insbesondere, dass beim Anbau von Getreide und Mais Insektizide nur mit einer Sonderbewilligung der jeweiligen kantonalen Zentralstelle für Pflanzenschutz verwendet werden dürfen  (Anhang Ziff. 6.2 und 6.4).

 

Durch den erlaubten Einsatz von Kunstdünger kann der konventionelle Bauer den Boden seiner Felder zu Beginn und oft auch noch während der Vegetationsperiode mit Nährstoffen reichlich zu versorgen. Da der Boden nie alle Nährstoffe zurückhalten kann und auch die Pflanzen nur einen Teil aufnehmen, gelangt der Rest in die Gewässer[37]. Zwar schreibt Art. 6 Abs. 2 Direktzahlungsverordnung vor, dass der Landwirt anhand einer Düngerbilanz zu zeigen hat, dass er keinen überschüssigen Phosphor und Stickstoff ausbringt. Die Bilanz selbst darf aber einen Fehlbereich von bis zu 10% des Pflanzenbedarfs aufweisen (Ziff. 2.1 Anhang Direktzahlungsverordnung). Jedenfalls hat die am  1. Januar 1999 in Kraft getretene Direktzahlungsverordnung bislang noch keine Reduktion des Mineraldüngereinsatzes bewirkt[38].

 

Einem konventionellen Landwirt ist es meist ohne grössere Probleme mit Bewilligungsbehörden möglich, eine sog. Tierfabrik zu erstellen und zu betreiben, d.h. viele Tiere auf engem Raum zu mästen, ohne dafür auf den eigenen Feldern das erforderliche Futter produzieren zu können. Das fehlende Futter kauft der Landwirt auf dem Futtermittelmarkt ein. Dadurch produzieren seine Tiere mehr Dünger als dem betriebseigenen Boden durch die Pflanzen entzogen wird, was zur Folge hat, dass der Rest in die Gewässer abfliesst. Die grösste Schadwirkung entsteht durch den Phosphoreintrag in die Seen. Phosphor fördert übermässiges Algenwachstum. Sobald die Algen absterben, sinken sie auf den Seegrund und werden dort von Mikroorganismen verzehrt. Dieser Abbauvorgang benötigt viel Sauerstoff, was zu einer Senkung des Sauerstoffgehaltes im Wasser führt. Sinkt der Gehalt unter 4 mg/Liter, können Tiere, insbesondere Fische und Plankton, nicht mehr im tieferen Wasserbereich leben oder sterben sogar. Durch den hohen Phosphorgehalt ist die Biodiversität der Unterwasserlandschaft bedroht[39]. So muss etwa der Sempachersee (Kt. LU), damit er nicht "umkippt", seit 17 Jahren künstlich belüftet werden, weil die umliegenden Schweinemäster die Gülle von 25'000 Schweinen auf den Feldern verspritzen und ihm das abfliessende Wasser jährlich 15 Tonnen Phosphor zuführen, was der doppelten Menge entspricht, die der See natürlicherweise abbauen könnte[40]. Laut dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) haben sich seit 1990 in der Schweiz mehr als 140'000 Tonnen Phosphor akkumuliert (ebenda). Die Senkung des Phosphoreintrags in Gewässer ist der wichtigste Schlüssel für die Verbesserung der Lebensbedingungen in den schweizerischen Seen. Da Phosphor in erster Linie aus der Schweinemast stammt, ist eine Reduktion des Schweinefleischkonsums die wirksamste Massnahme zum Gewässerschutz, welche KonsumentInnen selbst sofort umsetzen können.

 

Gemäss Art. 14 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (SR 814.20, Gewässerschutzgesetz) darf ein Bauer pro Hektare die maximale Düngermenge von 3.0 Grossvieeinheiten (= 3 DGVE[41]) ausbringen. Nach Art. 14 Abs. 6 Gewässerschutzgesetz sind die Kantone verpflichtet, die pro Hektare zulässigen DGVE nach Bodenbelastbarkeit, Höhenlage und topographischen Verhältnissen herabzusetzen. Rund 3/4 der Kantone haben ihre diesbezüglichen Pflichten zwar teilweise, jedoch nicht konsequent genug erfüllt: So sind die zulässigen DGVE für das Ziel der Reinhaltung von Gewässern durchwegs zu hoch angesetzt[42]. Noch 1998 erachteten es gar 7 Kantone als unnötig, solche Vorgaben zu erlassen. Weil die Grenze für das "Übermass" zu hoch angesetzt ist, hat Art. 6 Direktzahlungsverordnung, wonach der Landwirt mit einer Nährstoffbilanz zeigen muss, dass er keinen übermässigen Stickstoff und Phosphor ausbringt, nur wenig Breitenwirkung und vermag lediglich die schlimmsten Auswüchse einzudämmen. Da die Gewässerverschmutzung auf Tausende von landwirtschaftlichen Einzelemittenten zurückgeht, kann sie nur mit einer generellen Senkung der Düngergaben bzw. der maximal zulässigen Tierzahlen pro Hektare Betriebsfläche gelindert werden. Gegen eine solche Senkung hat sich die Agrarlobby bislang erfolgreich wehren können. Konsum & Natur fordert vom Gesetzgeber, dass landwirtschaftliche Direktzahlungen, namentlich Flächenbeiträge, nur noch ausgerichtet werden, wenn die Zahl von 1.0 - 2.0 DGVE pro Hektare Betriebsfläche (abgestuft nach Klima- und Bodenverhältnissen) nicht überschritten wird[43]. Es ist nämlich nicht einzusehen, weshalb Betriebe, welche die Umwelt schädigen, auch noch vom Steuerzahler subventioniert werden sollen. Zudem ist in die Stoffverordnung[44] aufzunehmen, dass flüssiger Hofdünger (Gülle) von Mitte Oktober bis Ende Februar, im klimatisch kälteren Berggebiet länger, nicht verwendet werden darf. Da der Stickstoffbedarf der Pflanzen während dieser Zeit gering ist, ergibt sich daraus keine erhebliche Beschränkung der Bodennutzung. Die Realisierung dieses Ziels bedingt jedoch, dass die Lagereinrichtungen für Gülle auf eine Kapazität von mindestens 5 Monaten ausgebaut werden. Nach Art. 14 Abs. 3 Gewässerschutzgesetz ist derzeit nur eine Kapazität von drei Monaten verlangt. Es ist demzufolge eine Änderung des Gewässerschutzgesetzes nötig.

 

 

3.3            Integrierte Produktion

3.3.1            Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien von Produzentenorganisationen

Für die Integrierte Produktion gibt es keine speziellen Erlasse. Die integriert produzierenden Landwirte unterliegen grundsätzlich den gesetzlichen Normen für die konventionelle Landwirtschaft. Von grosser Bedeutung ist jedoch die gesetzlich geregelte "extensive Produktion von Getreide und Raps" (Art. 55 ff. Direktzahlungsverordnung), welche einer faktischen Regelung des integrierten Landbaues gleichkommt, weil die Produzentenvereinigung "IP-Suisse" diese Vorgaben übernommen hat. Auch in anderen Produktionsbereichen haben die Landwirte die Anforderungen der Produzentenvereinigung "IP-Suisse" zu erfüllen. Diese gehen in verschiedenen ökologisch wichtigen Belangen über die Anforderungen des ÖLN hinaus[45].

 

 

3.3.2            Wirkungen der Integrierten Produktion auf die Natur

Die Integrierte Produktion entspricht einer hinsichtlich Natur- und Umweltschutz verbesserten konventionellen Landwirtschaft. Sie setzt namentlich geringere Mengen von Hilfsstoffen (Pestizide, Kunstdünger) ein, achtet auf die Verwendung von krankheitsresistenten Sorten und fördert Nützlinge. Gewisse besonders giftige Pestizide dürfen in der Integrierten Produktion gar nicht verwendet werden. Im Gegensatz zur biologischen Produktion - vgl. oben - darf ein IP-Landwirt jedoch einen Teil seiner Produkte auch konventionell (d.h. unter blosser Erfüllung des ÖLN) erzeugen.

 

Die Integrierte Produktion ist in ihrer Wirkung auf die Natur zwischen der biologischen und konventionellen Produktion anzusiedeln. Nach der Einschätzung von Konsum & Natur liegt sie indessen näher an der konventionellen als an der biologischen Produktion.

 

 

3.4             Artenvielfalt in biologisch und konventionell bewirtschafteten Agrarflächen - Resultate aus Felduntersuchungen

Über die Artenvielfalt in Agrarflächen wurden in den vergangenen 15 Jahren Dutzende von Felduntersuchungen durchgeführt. Die nachstehend zitierten Studien nahmen jeweils biologisch und konventionell bewirtschaftete Flächen unter die Lupe. Da es sich mehrheitlich um ausländische Untersuchungen handelt, stellt sich die Frage, wie weit die Resultate auch für die Verhältnisse in der Schweiz zutreffen. Die Erkenntnisse über Bio-Parzellen geben ohne weiteres auch den Zustand in der Schweiz wieder, weil die biologischen Wirtschaftsweisen in ganz Europa sehr ähnlich sind. Die Angaben zu den konventionell genutzten Flächen sind schwieriger zu bewerten, sie dürften jedoch weitgehend auch für konventionell genutzte Flächen in der Schweiz gültig sein, weil die Länder, in denen die Studien durchgeführt wurden, im Vergleich zur Schweiz keine erheblich abweichende Landwirtschaft betreiben. Für die Überprüfung dieser Annahme besteht allerdings Forschungsbedarf[46].

 

Die Untersuchungen erhellen, dass biologisch bewirtschaftete Flächen für Fauna und Flora viel besser sind, als konventionell genutzte Flächen. Die folgende Tabelle gibt eine Zusammenfassung der wichtigsten Resultate:

 

Elemente aus Fauna und Flora

Artenzahl (Biodiversität) und Häufigkeit der Arten auf den untersuchten Flächen

Pflanzen

Die Auswertung von 18 in Mitteleuropa auf über 1800 Äckern durchgeführten Vegetationskartierungen beweist, dass die Artenzahl auf biologisch bewirtschafteten Äckern um 30 bis 350 Prozent höher liegt als auf konventionellen Vergleichsflächen[47].

 

Auch im biologisch bewirtschafteten Grünland ist die Artenvielfalt der Vegetation eindeutig höher als auf konventionell bewirtschafteten Vergleichsflächen[48].

 

Biologisch bewirtschaftete Flächen weisen im Vergleich zu konventionell genutzten Flächen ausserdem das Fünffache an Biomasse von Wildpflanzen auf[49].

Vögel

 

 

Vögel ziehen sowohl während Brutzeit als auch im Winter die ökologisch bewirtschafteten Flächen den konventionell bearbeiteten Flächen vor (englische Studie an 44 Vergleichsbetrieben) [50].

 

Die Bestandesdichte der Vögel auf den konventionell genutzten Flächen beträgt nur 37 bis 51% der auf den ökologischen Flächen nachgewiesenen Dichte. Die Siedlungsdichte der Feldlerche beträgt nur 30 - 80% der auf den Bio-Flächen nachgewiesenen Bestände (dänische Studie an 31 Betriebspaaren)[51].

 

Im Vergleich zu konventionellen Flächen halten sich im Randbereich von biologisch bewirtschafteten Feldern 25% und im inneren Bereich 44% mehr Vögel auf (englische Studie)[52].

Insekten

 

 

 

 

In biologisch bewirtschafteten Flächen lebt im Vergleich zu konventionell genutzten Flächen[53]:

 

- eine höhere Arten- und Individuenzahl von Laufkäfern, Marienkäfern, Nestkäfern und Blattkäfern. Kurzflügler haben eine grössere Artenzahl, jedoch tiefere Individuenzahl. Aaskäfer treten in gleicher Arten- und Individuenzahl auf

 

- eine höhere Arten- und Individuenzahl  von Wanzen und Hundertfüssern

 

- eine gleich grosse oder höhere Arten- und Individuenzahl von Spinnen und Milben, Doppelfüssern und Asseln

 

- eine grössere Individuenzahl von parasitischen Hautflüglern (typische Nützlinge), Fliegen und Schwebfliegen (Artenzahl wurde nicht untersucht)

 

Bio-Flächen weisen ausserdem die 1,6-fache Menge an Insektenarten, welche bevorzugtes Vogelfutter sind, auf und rund dreimal mehr (unschädliche) Schmetterlinge und Falter[54].

Regenwürmer

 

Biologisch bewirtschaftete Weizenparzellen haben einen deutlich höheren Regenwurm-Besatz[55].

 

 

 

4.      Fazit

Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Naturverträglichkeit der verschiedenen Landbaumethoden wie folgt zu veranschlagen:

 

Biologische Produktion >> Integrierte Produktion > konventionelle Produktion

 

(> = besser als; >> = viel besser als)

 

Die Angabe eines absoluten Wertes der Naturverträglichkeit erscheint hier wenig zweckmässig, weil ein klarer Bezugspunkt für die Bewertung fehlt. Ginge man etwa von der ökologischen Qualität einer Produktionsfläche aus, wie sie vor 200 Jahren bestand, würde selbst die heutige biologische Produktion schlechte Werte erreichen, weil sie trotz dem Verzicht auf chemisch-synthetische Hilfsstoffe weniger Lebensraum für Tiere und Pflanzen aufweist: die eingesetzten Nährstoffmengen sind höher, die Kulturpflanzen üppiger (Verdrängungswirkung für Wildpflanzen), die Kleinstrukturen spärlicher, Brachflächen kaum vorhanden [56] . Daraus folgt, dass selbst die biologische Landwirtschaft für sich allein nicht ausreicht, um die Biodiversität zu erhalten. Aus diesem Grund ist notwendig, dass in der biologischen - und ohnehin in der konventionellen und integrierten - Produktion - ein Teil der Produktionsflächen aus der Produktion herausgenommen und der Natur gewidmet werden. Ein guter Ansatz hierzu ist die Anlage von ökologischen Ausgleichsflächen. Damit allein lässt sich die Biodiversität allerdings immer noch nicht sichern, weil die (derzeitigen) Ausgleichsflächen zu klein, zu wenig vernetzt und oft von minderer ökologischer Qualität sind. Zusätzlich müssen deshalb grosse zusammenhängende Naturgebiete geschaffen werden, deren hauptsächliche Zweckbestimmung die Erhaltung der Biodiversität ist. Dies gilt namentlich auch für die besonders intensiv genutzten Ackerbaugebiete ausserhalb der Berg- und Hügelregion.

 

 

 

 

 

 



[1]           Joni Seager (Hrsg.), Der Öko-Atlas, Bonn 1994, S. 30.

[2]           Die mehr als 7 Milliarden grosse Weltbevölkerung kann allerdings nur dank dem Umstand, dass ein grosser Teil keine oder nur wenige tierische Lebensmittel konsumiert (bzw. konsumieren kann), einigermassen mit Nahrung versorgt werden. Die Produktion einer Kalorie tierischer Nahrung (Milch, Fleisch, Eier) erfordert im Vergleich zur Erzeugung einer Kalorie pflanzlicher Nahrung in etwa die 5-fache (Weizen) bzw. 8-fache (Kartoffeln) Landfläche (dazu Rudolf H. Strahm, Warum sie so arm sind, Wuppertal 1986, S. 66; vgl. auch die Studie von Konsum & Natur zum Thema "Fleisch").

[3]          In Deutschland auch: "ökologischer Landbau".

[4]          Ökologische Ausgleichsflächen sind Flächen, die sich auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) befinden und vorab als Lebensraum für (bisweilen auch seltene) Tiere und Pflanzen dienen. Dazu gehören gemäss Art. 40 Verordnung vom 7. Dezember 1998 über die Direktzahlungen an die Landwirtschaft (SR 910.13, Direktzahlungsverordnung):

               a. extensiv genutzte Wiesen

               b. wenig intensiv genutzte Wiesen

               c. Streueflächen

               d. Hecken, Feld- und Ufergehölze

               e. Buntbrachen

               f. Rotationsbrachen

               g. Ackerschonstreifen

               h. Hochstamm-Feldobstbäume

 

               Jeder Schweizer Landwirt  muss auf seiner LN mindestens 7% (Spezialkulturen 3.5%) ökologische Ausgleichsflächen ausscheiden, pflegen und unterhalten, wenn er allgemeine Direktzahlungen  (eine Form staatlicher Beiträge) beziehen will. Der Anteil ökologischer Ausgleichsflächen dürfte heute bei rund 10% der LN liegen. Als Gegenleistung für die Einrichtung und Pflege dieser Flächen erhält der Landwirt - zusätzlich zu den allgemeinen Direktzahlungen - sog. ökologische Direktzahlungen (Ökobeiträge), so etwa für extensiv genutzte Wiesen oder Streueflächen im Talgebiet CHF 1'500.-/Hektare und Jahr (Art. 49 Direktzahlungsverordnung). Die Problematik der ökologischen Ausgleichsflächen liegt darin, dass es bislang nicht gelungen ist, eine genügend hohe ökologische Qualität dieser Flächen zu erzeugen. Die aktuellen Bestrebungen der Gesetzgeber (Bund und Kantone) bezwecken nun wenigstens teilweise auch eine Förderung der ökologischen Qualität (vgl. Verordnung vom 4. April 2001 über die regionale Förderung der Qualität und der Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft, SR 910.14). In der EU gibt es ähnliche Bestrebungen zur Einrichtung ökologischer Ausgleichsflächen (vgl. dazu: Mitteilung der Kommission an den Rat und das europäische Parlament, Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft, Brüssel 27.3.2001 - KOM(2001)162, S. 41 ff.).

[5]         Entsprechende Belege finden sich in allen älteren Tier- und Pflanzenbüchern. Bis Anfangs des 19. Jahrhunderts hat das Wirken des Menschen zu einer Artbereicherung geführt, seither ist das Arten-Aussterben in vollem Gange (Elias Landolt, Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen in der Schweiz, Bern 1991, S. 11). Um 1900 waren in der Schweiz die Lebensräume für Fauna und Flora bereits erheblich zerstört und zwar vorab durch die folgenden zwei Ursachen: Erstens führten die seit 1840 vorgenommenen grossen Flusskorrektionen zur Trockenlegung riesiger Feuchtgebiete. Zweitens wurden mit den in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden landwirtschaftlichen Meliorationen viele wertvolle Naturelemente wie Hecken, Feldgehölze, Kleingewässer beseitigt (vgl. Hans Maurer, Naturschutz in der Landwirtschaft, Zürich 1995, S. 139 ff., mit Hinweisen).

[6]           So sind etwa in Mitteleuropa 60 - 65% der Vogelarten von der landwirtschaftlichen Nutzung abhängig (LNVL Haus vun der Natur, Wege zu einer Naturwirtschaft, Kockelscheuer, ohne Jahresangabe, S. 2).

[7]           Z.B. indem sich zwischen Schädlingen und Nützlingen ein Gleichgewicht einspielte, so dass die schädlingsbedingten Ernteverluste gering blieben.

[8]           Vgl. etwa: Dieter Korneck / Herbert Sukopp, Rote Liste der in der Bundesrepublik Deutschland ausgestorbenen, verschollenen und gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen und ihre Auswertung für den Arten- und Biotopschutz, Schr.Reihe Vegetationskunde. 19, Bonn-Bad Godesberg 1988, S. 168; Mario F. Broggi / Heiner Schlegel, Mindestbedarf an naturnahen Flächen in der Kulturlandschaft. Bericht 31 des Nationalen Forschungsprogrammes "Boden", Liebefeld-Bern 1989; Peter Thomet / Evelyne Thomet-Thoutberger, Vorschläge zur ökologischen Gestaltung der Agrarlandschaft, Themenbericht des Nationalen Forschungsprogrammes "Boden", Liebefeld-Bern 1990; EU-Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft (FN 4), S. 9 ff.

 

[9]          Bundesamt für Statistik (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2000, Zürich 1999, S. 83.

[10]        Vgl. zur Geschichte der biologischen Landwirtschaft: Edith Moos-Nüssli, Biologische Landwirtschaft - eine Standortbestimmung, in LID-Dossier Nr. 368 vom 22. September 1998.

[11]        Vgl. zur Entwicklung des Landwirtschaftsrechts: Hans Maurer, Umweltschutz, Naturschutz und Tierschutz im neuen Landwirtschaftsrecht, in: Umweltrecht in der Praxis, 1999 / Heft 5, S. 393 ff.

[12]        Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2000, S. 199 ff.; Coop Frischmarkt Magazin, Nr. 13, 24. Oktober 2001, S. 5.

[13]         Vgl. Homepage der Stiftung Ökologie & Landbau: www.soel.de (mit detaillierten Angaben und zahlreichen weiteren wertvollen Informationen).

[14]        Adresse: Bio Suisse, Missionsstrasse 60, 4055 Basel; E-mail: bio@bio-suisse.ch; Tel. 061 385 96 10.

[15]        Adresse: Auskunftsstelle für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, Hügelweg 64, CH-4143 Dornach; Tel. 061 706 42 42

[16]         FiBL, Merkblatt "Kurzfassung zu den Anforderungen im Biolandbau", Frick 2001.

[17]         Hans Maurer, in: Peter M. Keller et al., Kommentar NHG, Zürich 1997, S. 86.

[18]         Der Anteil der Direktzahlungen am Rohertrag von Betrieben belief sich im Jahr 2000 auf 13% in der Talregion, auf 21% in der Hügelregion und auf 35% in der Bergregion (Bundesamt für Landwirtschaft (Hrsg.), Agrarbericht 2001, Bern 2001, S. 188).

[19]         IP-Suisse, Rütti, 3052 Zollikofen; www.ipsuisse.ch; Tel. 031 910 52 01.

[20]         Agrarbericht 2001, S. 11.

[21]         Gemäss Angaben von IP-Suisse.

[22]         www.labelinfo.ch (Web-Site der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch, Hottingerstrasse 4, Postfach 211, 8024 Zürich; Tel. 01 267 44 14).

[23]         Eine gute Übersicht gibt: FiBL, Merkblatt "Kurzfassung zu den Anforderungen im Biolandbau", Frick 2001.

[24]         Vgl. Bio-Verordnung sowie Jedicke/Frey/Hundsdorfer/Steinbach, Praktische Landschaftspflege, Stuttgart 1993, S. 60 ff. Vgl. auch FiBL, Merkblatt "Kurzfassung zu den Anforderungen im Biolandbau", Frick 2001.

[25]         Wie häufig dieser schmucke Vogel in der Vergangenheit gewesen sein muss, belegt das Kinderlied "Vogelhochzeit", dessen eine Strophe lautet: "Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der schenkt der Braut ein'n Blumentopf".

[26]         FiBL, Hilfsstoffliste 2001 für den biologischen Landbau, Frick 2001.

[27]         Vgl. dazu FiBL Dossier Nr. 1, Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt, Erkenntnisse aus 21 Jahren DOK-Versuch, Frick August 2000. Der DOK-Versuch ist eine vergleichende Feldstudie über biologisch-dynamisch, organisch-biologisch und konventionell bewirtschaftete Probeflächen im Leimental bei Basel. Der Versuch läuft sei 1977 und ist international von grosser Bedeutung für die Agrarforschung. Nach dem DOK-Versuch, dessen Ergebnisse als Richtgrösse gelten können, ist der Nährstoffeinsatz in biologischen Kulturen erheblich geringer als in der konventionellen Landwirtschaft (mineralischer Stickstoff minus 65%; Phosphor minus 40%; Kalium minus 45%).

[28]         So darf in den sog. "extensiv genutzten Wiesen" gar kein Dünger ausgebracht werden, hingegen ist eine Herbstweide zulässig (Art. 45 Abs. 3 Direktzahlungsverordnung). Die "wenig intensiv genutzten Wiesen" dürfen jährlich mit maximal 30 kg verfügbarem Stickstoff pro Hektare in Form von Mist, Kompost oder Gülle gedüngt werden und es ist zudem eine Herbstweide statthaft (Art. 46 Abs. 2 und 3 Direktzahlungsverordnung).

[29]         Vgl. Anhang 1 Verordnung vom 22. September 1997 des EVD über die biologische Landwirtschaft sowie FiBL, Hilfsstoffliste 2001 für den biologischen Landbau, Frick 2001. Die ebenfalls fragwürdigen Pyrethrine (Extrakte der Dalmatinischen Insektenblume mit Breitbandwirkung gegen Insekten) sind hingegen im Pflanzenbau nicht mehr zugelassen, sondern dürfen nur noch gegen Stallfliegen und Ektoparasiten eingesetzt werden.

[30]         Herausgegeben vom Kanton Zürich und vom Bundesamt für Landwirtschaft anerkannt am 19. Juli 2001, gültig für alle Kantone ausser den Kantonen bzw. Kantonsteilen: Jura, Genf, Waadt, Unterwallis, Freiburg.

[31]         Jedicke/Frey/Hundsdorfer/Steinbach, Praktische Landschaftspflege, Stuttgart 1993, S. 33 ff.

[32]         Mitteilung vom 23.11.2001 von Hr. Meerstetter, Landwirtschaftliche Beratungszentrale Lindau LBL.

[33]         Die chemische Industrie bietet dem Bauern ein ganzes Arsenal von Giften an. Diese lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen (Jedicke/Frey/Hundsdorfer/Steinbach, S. 22):

Insektizide gegen Insekten

Herbizide gegen Wildkräuter

Fungizide gegen Pilzbefall

Akarizide gegen Milben

Nematizide gegen Fadenwürmer (Nematoden)

Rodentizide gegen Kleinnager

[34]         Schweizweit sind rund 45% der sogenannten Unkrautpflanzen, darunter insbesondere die Ackerbegleitflora, gefährdet oder ausgerottet (Elias Landolt, Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen in der Schweiz, Bern 1991, S. 140).

[35]         Hubert Weiger / Helga Willer (HrsG.), Naturschutz durch ökologischen Landbau, Bad Dürkheim 1997, S. 100 (mit Hinweisen).

[36]         ebenda, S. 29.

[37]         Schätzungen zufolge stammen 60% der Stickstoffeinträge und 50% der Phosphoreinträge in die Nordsee, Ostsee und das Schwarze Meer aus der (EU-)Landwirtschaft (Naturschutzbund Deutschland NABU, Die Novellierung des Düngerechts als Beitrag zur Agrarwende in Deutschland, November 2001, in: www.nabu.de/presse/higru/duengepraxis.htm).

[38]          Vgl. Agrarbericht 2001, S. 88. Zwischen Anfang der neunziger Jahre und 1998 hatte sich der Gesamtverbrauch an Mineraldünger immerhin erheblich verringert (Phosphor: minus 75%; Stickstoff: minus 25%).

[39]          Vgl. dazu: Der Genfersee regeneriert sich langsam, in: NZZ vom 2. November 2001, S. 16.

[40]          Tages Anzeiger vom 24. Oktober 2001, S. 5.

[41]          Die durch eine Düngergrossvieeinheit DGVE jährlich ausgeschiedene Nährelementmenge beträgt 105 kg Stickstoff und 15 kg Phosphor. Dies entspricht dem jährlichen Anfall von Gülle und Mist einer 600 kg schweren Kuh resp. 6 Mastschweinen resp. 100 Legehennen.

[42]      Die Mehrzahl der Kantone (15) übernahm die folgende Abstufung: Ackerbau/Übergangszone: 3.0 DGVE; Voralpine Hügelzone: 2.5 DGVE; Bergzone I: 2.1 DGVE; Bergzone II: 1.8 DGVE; Bergzone III: 1.6 DGVE; Bergzone iV: 1.4 DGVE (Jennifer Zimmermann et al., Auf Kosten des Tropenwaldes, Fleisch auch ökologisch ein Risiko (Hrsg. WWF), Zürich 2001, S. 7).

[43]         Die Obergrenze für den ökologischen Landbau setzt Weiger bei 1.4 Dungeinheiten pro Hektare an (vgl. Hubert Weiger  / Helga Willer, S. 39).

[44]         Derzeit schreibt die Stoffverordnung vom 9. Juni 1986 (SR 814.013) in einem sog. "Gummiartikel" bloss vor, dass flüssige Dünger nur ausgebracht werden dürfen, wenn der Boden saug- und aufnahmefähig ist (vgl. Anhang Ziff. 321 Abs. 2).

[45]         So ist es etwa verboten, Kartoffelstauden vor der Ernte abzuspritzen (Verbot des chemischen Abbrennens). Da die zum Abbrennen eingesetzten Pestizide mässig bis stark umweltschädlich sind, ist das Verbot dieser Mittel positiv zu würdigen.

[46]         Nach der Verordnung vom 7. Dezember 1998 über die Beurteilung der Nachhaltigkeit der Landwirtschaft sind (unter anderem) auch ökologische Indikatoren zu erheben. Es ist zu hoffen, dass die entsprechenden Felduntersuchungen auch in der Schweiz durchgeführt werden.

[47]         Stefan Rösler und Christof Weins, in: Hubert Weiger / Helga Willer, S. 132 (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[48]         ebenda.

[49]         Gundula Azeez, in: The Biodiversity Benefits of Organic Farming (Hrsg. The Soil Association), Bristol (GB) 2000, S. 20  (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[50]         Stefan Rösler und Christof Weins, in: Hubert Weiger / Helga Willer, S. 132 ff. (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[51]         ebenda.

[52]        Gundula Azeez, S. 20 (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[53]         Lukas Pfiffner, in: Hubert Weiger / Helga Willer, S. 102 (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[54]         Gundula Azeez, S. 20 (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[55]         Stefan Rösler und Christof Weins, in: Hubert Weiger / Helga Willer, S. 132 (mit Hinweisen auf die Originalliteratur).

[56] In der früheren Landwirtschaft hingegen lag jeweils ein Drittel des produktiven Ackerlandes brach (Dreizelgenwirtschaft oder Dreifelderwirtschaft), was selbstverständlich nicht heisst, dass dort nichts wuchs. Vielmehr konnten sich dort die zahlreichen Wildkräuter, namentlich die einjährigen Ackerbegleitpflanzen, Insekten, Kleinsäuger und Vögeln frei entfalten. Zudem waren die Erträge deutlich geringer als in der heutigen Bio-Landwirtschaft. Mitte des 19 Jahrhunderts etwa beliefen sich die jährlichen Weizenerträge auf 10 - 13 kg/Are, im heutigen Biolandbau liegen sie bei 40 - 55 kg/Are für Winterweizen und bei 35 - 35 kg/Are für Sommerweizen (www.mehl.at/brot.htm; FiBl, Merkblatt Getreide, Frick 2002). Die frühere Landwirtschaft war somit erheblich extensiver als die heutige Bio-Landwirtschaft.